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Ein Wechselbad der Gefühle bei der WM

Do, 31.08.2023

Die Leichtathletik-WM in Budapest verlief nüchtern betrachtet für den DLV schlechter denn je. Zu dieser Aussage kommt man, wenn man auf den Medaillenspiegel schaut. Nachdem schon im letzten Jahr in Eugene schon die Medaillenausbeute (2) auf dem Tiefpunkt war, konnte diesmal keine einzige Medaille erkämpft werden. Jedoch darf man auch nicht außer Betracht lassen, dass viele DLV-Athleten persönliche Topleistungen erbracht haben oder die erzielte Leistung in der Vergangenheit oft für das Treppchen gereicht hat. Einige Athleten konnten aber auch leider nicht ihr Leistungsvermögen zum Saisonhöhepunkt zeigen. Diese Aspekte sind auch unter den WM-Teilnahmen unserer Athleten und Athletinnen wiederzufinden.

Emil Agyekum (SCC Berlin, Germany), 400m Hurdles Men (400m Huerden Maenner)HUN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Budapest 23, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 21.08.2023, Foto: EIBNER-Pressefoto/Stefan Mayer

Sehr zufrieden mit seiner WM kann u.a. Emil Agyekum sein. Nachdem er sehr gut in die Saison eingestiegen ist, verletzte er sich kurz vor dem Einsatz bei der Team-EM und verpasste auch die Deutschen Meisterschaften. Mit einer Leistungsbestätigung zum Ende der Nominierungsfrist wurde er dennoch für die Weltmeisterschaften nominiert. Im Vorlauf qualizifierte sich Emil mit einer Zeit von 49,00s über die Zeit für das Halbfinale. Den gut besetzten Lauf beendete er als Fünfter mit einer neuen Bestleistung von 48,71s. Auch wenn es nicht für das Finale reichte, zeigte er sich zufrieden, bedauerte aber, dass es (noch) nicht die Olympianorm von 48,70s war.

Alica Schmidt (SCC Berlin, Germany), 4x400m relay Women (4x400m Staffel Frauen)HUN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Budapest 23, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 26.08.2023, Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Mayer

Starke Leistungen zeigte Alica Schmidt. Mit der 4x400m Mixed-Staffel gelang der Finaleinzug, wo das DLV-Quartett nach 3:14,27min als Siebtplatzierte einlief. An dem Ergebnis war auch Skadi Schier im Vorlauf beteiligt. Leider hatte sie im Vorfeld der WM mit einer Erkältung zu kämpfen, die sie scheinbar nicht komplett auskurieren konnte. Im Vorlauf ging sie als Schlussläuferin führend in die Runde und konnte auch 300m die Position halten. Auf den letzten Metern machte dann aber der Körper schlapp und Skadi musste stark kämpfen, rettete aber dennoch den Finaleinzug. Im Finale, welches noch am gleichen Tag stattfand, wurde sie deshalb geschont und hoffte auf eine Regeneration bis zur 4x400m Frauen-Staffel knapp eine Woche später. Leider war dem nicht der Fall, sodass aus SCC-Sicht lediglich Alica dort an den Start ging. Mit der zehntschnellsten Zeit von 3:27,74min gelang der Finaleinzug nicht. Aber Alica zeigte insgesamt drei gute Rennen.

Gina Lueckenkemper (SCC Berlin, Germany), 100m Women (100m Frauen)HUN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Budapest 23, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 21.08.2023, Foto: EIBNER-Pressefoto/Stefan Mayer

Die beste WM-Platzierung gelang Gina Lückenkemper mit der 4x100m-Staffel. Im Vorlauf noch mit unsauberen Wechseln als 9. Platzierte eigentlich den Finaleinzug verpasst, verlief das Finale flüssiger und die DLV-Damen beendeten den Staffelwettbewerb auf dem 6. Platz (42,98s). Der erste Wechsel im Vorlauf wurde durch eine Konkurrentin auf der Nachbarbahn beeinflusst, sodass die Staffel nach stattgegebenem Einspruch den optionalen 9. Finalplatz erhielt und somit versöhnlich mit der WM abschließen konnten.
Vor allem für Gina, die leider nicht ihr selbstgesetztes Ziel vom 100m-Finale nicht erfüllen konnte. Im Vorlauf gelang Gina noch trotz „verpasstem“ Start und einer Zeit von 11,21s der Direkteinzug in die nächste Runde. Im Halbfinale erwischte Gina einen sehr guten Start, doch diesmal kam sie im Anschluss nicht in das „fliegen“, welches wir in diesem Jahr so oft schon gesehen haben: „Das war nicht das, was ich mir erhofft und vorgenommen habe. (…) Das waren die beiden langsamsten Zeiten dieses Jahr. Woran es gelegen hat, kann ich noch nicht genau sagen. (…) Das Rennen war heute vorne bedeutend besser als das, was ich gestern gemacht habe. Dann war ich einfach nicht aktiv und aggressiv genug, ich habe mich zu sehr treiben lassen. Dadurch ist mir die Hüfte nach hinten weggebrochen. Dann trifft man sich einfach nicht gut genug vom Körperschwerpunkt und das spiegelt sich in den Zeiten wieder.“

Mohammad Amin ALSALAMI (SCC Berlin, ART), Long Jump Men (Weitsprung Maenner)HUN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Budapest 23, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 23.08.2023, Foto: EIBNER-Pressefoto/Stefan Mayer

Ebenfalls nicht zufriedenstellend verliefen die WM-Teilnahmen für Mohammad Amin Alsalami, der für das Refugee Olympic Team startete, sowie Sam Parsons. Für Mohammad war es abzusehen, dass er neue Bestleistung für den Finaleinzug hätte springen müssen. Aber bei der Qualifikation passte leider nichts zusammen. Im zweiten Versuch verschenkte er einiges am Brett und landete schon bei 7,46m. Im dritten Versuch gab es noch einen guten Versuch, dieser war dann jedoch übertreten und in der Endabrechnung steht lediglich ein 33. Platz.
Pech hatte auch Sam Parsons bei seiner 5.000m Qualifikation. Über 4.000m lief das Feld eng zusammen. Kurz bevor es dann 800m vor dem Ziel zur Tempoverschärfung kam, verspürte er einen Tritt, geriet aus dem Gleichgewicht und stürzte. Als Sam sich aufgerappelt hatte, war das Feld enteilt. Voller Adrenalin setzte Sam Parsons zunächst zur Aufholjagd an, doch da hatte die Spitze längst einen Gang hochgeschaltet. Abgeschlagen und niedergeschlagen brachte er das Rennen nach 14:03,14 Minuten zu Ende. Seine Gefühlslage im Interview nach seinem Lauf spricht Bände.

Johannes Motschmann (SCC Berlin, Germany), Marathon Men (Marathon Maenner)HUN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Budapest 23, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 24.08.2023, Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Mayer

Eine Topleistung zum Ende der WM erbrachte Johannes Motschmann im Marathon mit einer guten Renngestaltung. Er hatte sich zu Beginn zurückgehalten und in einer der Verfolgergruppen einsortiert, die nach 20 Kilometern etwa 1:30 Minuten Rückstand hatte. Da lag er noch auf Platz 55, dann ging's immer weiter nach vorn. Bei strahlendem Sonnenschein, schon in den Morgenstunden Temperaturen um 26 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit hatten sich einige Läufer übernommen, nicht so Johannes, der nach 2:14:19 Stunden auf Platz 26 ins Ziel kam. „Es war hintenraus mit der Hitze extrem hart. Auch wenn es jetzt drei Minuten langsamer war als meine Bestleistung, denke ich doch, dass das heute eine meiner besten Leistungen war. Ich war überrascht, wie viele Deutsche hier an der Strecke waren. Einige, die ich kannte, einige, die ich nicht kannte. Das hilft enorm und da will man natürlich auch ein bisschen was zurückgeben.“

Fotos: Stefan Mayer

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